Wenn du wie ich gerne meditierst und Kaffee liebst, kennst du vielleicht dieses kleine innere Dilemma: Ein Teil von dir möchte entspannt, achtsam und bei sich selbst ankommen – und der andere Teil ruft am Morgen ziemlich laut nach einem doppelten Espresso. Klingt bekannt?
Ich möchte in diesem Beitrag einfach mal teilen, wie ich persönlich damit umgegangen bin und was ich aus ayurvedischer Sicht über Kaffee gelernt habe. Und keine Sorge – es geht hier nicht um „richtig“ oder „falsch“, sondern um Impulse, die dir helfen können, bewusster mit dir selbst umzugehen.
Was hat Kaffee mit Meditation zu tun?
Vielleicht fragst du dich, was Kaffee überhaupt mit Meditation zu tun hat. Ganz einfach: Meditation bedeutet zur Ruhe kommen. Körperlich, geistig und emotional. Und unser Nervensystem spielt dabei eine zentrale Rolle – je entspannter es ist, desto leichter fällt es uns, wirklich still zu werden.
Im Ayurveda – der traditionellen indischen Heilkunst – werden Lebensmittel nicht nur nach Kalorien oder Vitaminen beurteilt, sondern danach, wie sie auf Körper und Geist wirken. Dabei unterscheidet man drei sogenannte Gunas, also Grundqualitäten:
- Tamas – träge, schwer, dumpf
- Rajas – aktiv, energetisch, unruhig
- Sattva – klar, harmonisch, leicht
Kaffee fällt ganz klar unter Rajas – also das Prinzip von Bewegung, Antrieb, Aktivität. Klingt erstmal nicht schlecht, oder? Und tatsächlich: Ein kleiner Koffeinkick kann helfen, wach zu werden und loszulegen.
Das Problem ist nur: Zu viel Rajas kann uns innerlich unruhig, reizbar oder nervös machen – und genau das steht einer tiefen, kraftvollen Meditation oft im Weg.
Meine persönliche Geschichte mit Kaffee
Nach meiner Pancha-Karma-Kur in Indien (eine ayurvedische Reinigungskur), habe ich meine Ayurveda-Ärztin gefragt, ob ich weiterhin Kaffee trinken „darf“. Ich war wirklich gespannt – und ehrlich gesagt auch ein bisschen hoffnungsvoll. Denn ja: Ich war ein echter Kaffeeliebhaber.
Sie antwortete mit einem sanften Lächeln:
„Ja, du darfst Kaffee trinken. So wie wir hier – alle drei Monate, ein kleiner Schluck.“
Sie zeigte dabei mit Daumen und Zeigefinger die Menge eines Mini-Espressos an. Ich musste lachen – aber ich habe sie ernst genommen.
Zurück zu Hause entschied ich mich, es wirklich mal ohne Kaffee zu probieren. Anfangs war es richtig hart. Ich fühlte mich müde, unausgeglichen – und ja, manchmal auch etwas „lost“. Ich musste erst wieder lernen, meine eigene Energiequelle zu finden – ohne Koffein.
Heute, ein gutes Stück später, bin ich froh, dass ich drangeblieben bin. Ich spüre eine neue Ruhe in mir. Ich schlafe besser. Meine Meditation ist tiefer. Und wenn ich müde bin? Dann höre ich auf meinen Körper – und gönne mir eine Pause, statt ihn mit Espresso zu überlisten.
Was macht Kaffee eigentlich mit uns?
Kaffee wirkt anregend – das wissen wir alle. Aber was viele nicht wissen: Auf lange Sicht braucht unser Körper immer mehr davon, um denselben Effekt zu spüren. Und irgendwann kommt der berühmte Crash.
Koffein kann unserem Körper wichtige Nährstoffe entziehen – z. B. Vitamin B, das für unsere natürliche Energieproduktion wichtig ist. Und wenn diese Versorgung ins Stocken gerät, greifen wir oft wieder zum Kaffee… ein Kreislauf entsteht.
Wenn du dich für die Hintergründe interessierst: Ich habe kürzlich einen spannenden Podcast dazu gehört, der sehr tief in das Thema Koffein, Wirkung und Alternativen eintaucht. Wenn du magst, hör mal rein – ich verlinke ihn dir weiter unten.
Und jetzt? Muss ich auf Kaffee verzichten?
Nein, natürlich nicht. Das hier ist keine Dogma-Zone. Ich möchte dir einfach einen Impuls geben: Beobachte dich. Wie wirkt Kaffee auf dich? Fühlst du dich danach wirklich wach und klar – oder eher hibbelig und fahrig? Und wie ist dein Körpergefühl, wenn du mal ohne Kaffee in den Tag startest?
Manchmal hilft es, bewusst eine Kaffee-Auszeit zu machen – vielleicht ein paar Tage oder Wochen – und dann zu spüren, was sich verändert.
Ich persönlich habe inzwischen meinen geliebten Chai entdeckt – ein warmes, würziges Getränk mit Gewürzen wie Zimt, Kardamom und Ingwer. Und das Schöne daran: Er erdet mich, statt mich aufzuputschen.
Fazit: Du bist dein bester Kompass
Am Ende geht es nie darum, alles „richtig“ zu machen. Sondern darum, ehrlich hinzuspüren.
Was tut dir gut? Was nicht (mehr)? Und was möchtest du einfach mal ausprobieren?
Meditation kann eine wunderbare Hilfe sein, um solche Fragen zu beantworten. Denn wenn du still wirst, hörst du plötzlich Dinge, die im Lärm des Alltags untergehen. Auch das eigene „Nein danke“ zum nächsten Kaffee.
In diesem Sinne: Probier dich aus. Beobachte. Und finde deinen eigenen Weg.
Namaskar & herzliche Grüße
Meriç



